Die Antinomie der Devisen

Unabdinglich scheint das Gefühl des schieren Besitzes notwendig zu sein. Notwendig um ein Hervortun erst zu ermöglichen. Aber warum besitzen wir Geld, oder besser gesagt warum strebt ein jeder danach? Um etwas zu kaufen lautet meist die Antwort. Aber das beimessen eines Geltungswertes, dem Geld gegenüber, entsteht erst durch den Prozess der in ihm hervorgehenden Appetenz zur Veräußerung. Niemand bedenkt was es eigentlich heißt diese Kaufkraft zu besitzen und seinen Teil zur Volkswirtschaft beizutragen. Diese präzediert und lebt ja nur vom Aufkommen der Nachfrage auf der Welt im 21. Jahrhundert. Seit Anbeginn der Zeit, die ja schließlich auch nur eine erdachte Größe ist, scheint das Geld einfach da zu sein. Es scheint also geradezu abstrus das der Plebs kaum einen Gedanken auf die Basis des Kapitals verschwenden mag, im Gegensatz zu der Nutzbarmachung und Verwertung eben dessen. An dieser Stelle könnte man das Erschaffen einer internationalen Interessengemeinschaft für die Auslegung finanzieller Mittel zunächst als positiv und verbindend betrachten, jedoch lässt dies auf den zweiten Blick wieder die arglistige Gestalt der Raffgier nach Statussymbolen und Konsum durchscheinen. Vorwerfen kann man wohl niemandem etwas aufgrund von Abwesenheit derartiger Gedanken , obgleich nun aber des Lesers Pflicht in eben dem besteht. Ich hatte für meinen Teil immer ein sehr differenziertes Verhältnis zum Kapital, und somit auch zu dem aus ihm resultierenden, und dadurch erst kalbendem, Konsum. Die Frage ob eine Gesellschaft nicht auch ohne aktive beziehungsweise passive Kaufkraft in Form von Geld oder Devisen, basierend auf dem Konzept der gemeinschaftlichen Produktion füreinander, funktionieren könnte, ergab sich mir damals natürlich noch nicht. Dennoch würde ich ich auch heute auf diese Frage mit nein antworten. Naheliegend drängen sich mir dabei Gedanken und Sinnbilder von Menschen in den Kopf, die auf das Thema bezogen mit inhaltslosen Phrasen wie „Die Idee des Kommunismus ist ja nicht schlecht, nur der Mensch ist dafür zu egoistisch!“ hantieren. Der Kommunismus sollte ja schließlich in seiner Endstufe das Bargeld ablösen und somit ein für alle mal überflüssig machen. Da dort aber meistens die Rede vom Kommunismus/Sozialismus in der marxistisch-leninistischen Auslegung ist, würde ich dem weiteren Diskurs keine Beachtung schenken. Denn obwohl Marx und Engels nur den theoretischen Grundstein dafür legten, ist es nicht vereinbar im gleichen Satz von Lenin zu reden. Das er unbestrittener Weise anfangs versucht hat eine mögliche praktische Auslegung dessen ins Leben zu rufen darf nicht verkannt werden, dass aber dafür Menschen sterben mussten ist nicht tolerierbar. Der bloße Gegenspruch dessen ist ja das die Befreiung und Zwänge der kapitalistischen Verhältnisse wieder in der Unterdrückung der Menschen endet. So gewann also niemand, außer die Macht die erneut auf wenige konzentriert wurde. Aus der Unterdrückung durch die Finanzwelt und der inhumanen Kapitalzentrierung, wurde die Unterdrückung durch „sozialistische“ Räte in einer Diktatur. Rein mathematisch betrachtet ist laut der unfreiheitlichen UdSSR das also Sozialismus gewesen, obwohl der reine Marxismus die zu erkämpfende Freiheit bedeutet. Demnach ist das also eine falsche Aussage, der es sich auch lohnt im Alltag zu widersprechen wenn sie mal wieder als „real existierender Sozialismus“ abgetan wird. Wenn diese sowjetische Auslegung der Idee aber von unserem Absolutbetrag der Anhäufung an den sozioökonomischen Ideenlehren abgezogen werden muss, bleibt nicht all zu viel bestehen. Das ein Mischwesen mit den zwillingshaften Charakterzügen der freien Marktwirtschaft und dem Sozialismus/Kommunismus existiert, wage ich zu bezweifeln. Dennoch scheint dieses als eine der derzeit namenhaftesten Fabeln die Regale und Spalten der Fachbücher in den Läden zu schmücken. Ob man diese Literatur nun ernst nimmt oder nicht, ist eines festzustellen. Nämlich das es in erster Linie nicht um das geht was prothetisch als Ersatz des Systems dient, sondern das ein gesamtgesellschaftliches Umdenken erfolgen muss was eine friedliche Revolution vorantreibt. Wenn diese Revolution Demokratie, Freiheit, sozialen Ausgleich, Frieden und Gleichberechtigung als ihre einzig wahre Maxime anerkennt, dann gibt es kein Bündnis der Freiheitsgegner was sie stoppen könnte. Dies ist das Theorem was die Befähigung hätte, die Endgesellschaft des menschlichen Daseins zu gründen. In der jeder seiner Religion nachgehen kann. In der niemand auf Grund von Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Sexualität oder sonstigen Ausrichtungen diffamiert und als weniger wertvoll eingestuft wird. In der jedes Lebewesen einfach sein kann, ohne sich zu rechtfertigen. In der die Freiheit endlich nichts kostet.

Auszug aus dem zweiten Kapitel, des 2018 im BoD-Verlag erscheinenden Bandes „Expertise zur verwirtschaftenden Obrigkeit“, von H. Beisert.

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