Lumineszenz und Rückbau ethischer Handlungsweisen: Ein ungleiches Paar

Der Umfang dieser Frage und das bloße Ausmaß umspannen jegliche epochale Zeiteinteilungen des Seins unserer Menschheit, von der Antike bis ins Hier und Jetzt. Ferner noch ergibt sich aus dieser Frage ein verborgenes Konstrukt, nämlich wie das Sein an das vernünftige Handeln, das Streben nach Glück und einem sinnerfüllten Leben, abhängig von den Möglichkeiten der optischen Wahrnehmung ist und ob sich diese Denkarten anders verhalten würden, würde man uns nicht sehen können. Eben deshalb werde ich explizit auf die verstandesmäßigen und lustbezogenen Wechselwirkungen, dieses konfus anmutenden Komplexes, eingehen und stelle mir deshalb die Frage, inwiefern und vor allem warum unsichtbares Handeln generell nicht gänzlich vom Tun des Alltags getrennt werden sollte.

Halten wir deshalb zunächst fest wie Glück beschaffen ist, wenn wir grundsätzlich davon ausgehen, dass dies Endziel all unserer Handlungen ist. Meine subjektive Betrachtung fällt ihr Urteil dahingehend, dass ich unter Glück das sinn- und zweckerfüllte Leben, in einer solidarischen und tugendhaft handelnden Gesellschaft verstehe. Eine Gesellschaft, die vernunftgesteuert für die Interessen aller eintritt und sich entschlossen den Feinden dieser Ordnung in den Weg stellt. Eine Gesellschaft in der jeder einen Platz finden will und wird und die Ausgangslage eines Jeden keine Rolle mehr spielt. Obgleich ich dies als meine schemenhafte Projektion des Glücksbegriffes handhabe, weise ich Ähnlichkeiten zu J. Benthams Modell des Utilitarismus, obwohl er diesen nicht begründete, nicht zurück. Den gesamtgesellschaftlichen Glücksbegriff als „größtes Glück der größten Zahl“ zu verorten gefällt mir und mag seiner Zeit revolutionäre Züge getragen haben und dennoch ist er kritisch zu bewerten. Sein hedonistisches Kalkül und die Willkür und Allmacht die diesem Modell innewohnt, legitimiert schrecklichste Verbrechen. Die schonungslose Unterdrückung von Minderheiten und Menschenrechten, ebenso wie eine maßlose Rationalisierung der Betrachtungsweise sind die Folgen. Sicher mag man Handlungen anhand ihrer sozialen Folgen bewerten und im ethischen Kontext gilt auch für mich, dass Leidensfähigkeit vor Vernunft anzuführen ist, aber der totalitäre Charakter des hedonistischen Prinzips, nach Bentham, überwiegt. Natürlich ist Glück für mich nur zugunsten der Mehrheit der Bevölkerung zu erkämpfen und dennoch lässt dies keinen Raum für Benachteiligung von Minderheiten. Um nun also den Bezug zum Thema zu wahren, müssen wir uns fragen, ob das Handeln zugunsten der Mehrheit bei Unsichtbarkeit nicht mehr von statten gehen würde. Und eben dies würde ich negieren. „Handle so, dass die Maxime deines Willens gleichzeitig zum Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung dienen könnte.“, sagte schon I. Kant und dem kann auch ich mich nur anschließen. Wieso sollte man auch aus Gründen der Unsichtbarkeit nicht mehr so handeln, wenn man ja gleichermaßen beim Verstoß anderer darunter leidet? Dieses Prinzip ist durchaus würdig, für den Grundstein der Treppe zum Glück adaptiert zu werden. Ich denke aber nicht nur wegen des kategorischen Imperativs, dass sich auch im unsichtbaren Zustand kein antisoziales Handeln bewähren wird. Der Stolz, nämlich scherzhaft als zweites Spezifikum des Menschen tituliert, tut sein übriges. Wer würde schon freiwillig unter die egoistische Maxime Kants untergeordnet werden wollen, an Stelle dieser, die sich den tugendhaften Prinzipien verschrieben hat? Dennoch muss ein Umdenken erfolgen und ein bewusstes Handeln aus Pflicht, nicht mehr als lästige Aufage und Zwang, sondern als moralisch richtige und gute Handlung zum gesamtgesellschaftlichen Glück verstanden werden. Dann würde meine erste Amtshandlung, als unsichtbares Individuum, wohl darin bestehen, dies als allgemeines Gesetz und als unilateral pflichtgemäße Handlung festzuschreiben. Aber warum erst dann? Dies stellt meiner Maxime nach, ein Problem epischen Ausmaßes dar. Typisch für den Menschen, als träges und bequemes Wesen, ist ja, Dinge und Handlungen hinauszuzögern und dadurch den eigentlichen Wirkungsgrad der der Veränderungen zu schmälern. So darf es nicht länger darum gehen, was für das Glück getan werden kann, wenn man unsichtbar wäre, sondern wie wir schon jetzt meine Vision des Glücks erringen könnten oder aber anderen Umbrüchen den Weg ebenen. Eben deshalb erlaube ich mir zu sagen, dass unsere Handlungen, im unsichtbaren Zustand , nicht von unseren allgegenwärtigen Handlungen abweichen dürfen, um dass gesamtgesellschaftliche Endziel zu erreichen und vor allem dies auch im Umkehrschluss. Wir müssen aufhören uns zu fragen, „Was wäre wenn?“ und unter welchen Bedingungen was gelingen könnte und einfach anfangen. Wir als Menschen haben genug Leidende und Hungernde unter uns, obwohl wir diejenigen sind die unzählige Perversitäten von Systemen und Formen der Ausbeutung vom Menschen am Menschen erschaffen haben, also sind auch nur wir als Menschen in der Lage dies zu beseitigen. Dieses maßlose Gegeneinander hat, in seiner jetzigen Form der Abstraktion, auch nichts mehr mit dem etwaigen Aushalten eines Schmerzes oder Mangels zu tun, wie Epikur vielleicht argumentieren würde. Obgleich Lust als Kernstück seiner Ethik verstanden wird, lebt ein gigantischer Teil dieser Erdbevölkerung in Unruhe und mit körperlichen Schmerzen. Während in den reichsten Staaten nur noch Variationen der Lust ablaufen, werden anderswo, aus Mangel, nicht mal die natürlichen und notwendigen Bedürfnisse gedeckt, was seiner Betrachtungsweise der Tugenden sicherlich auch nicht entsprochen hätte. Immerhin würde ihm sicherlich der Mangel an politischer Betätigung zusagen, rücken wir doch aber auf der anderen Seite immer weiter von seinem prognostizierten Glücksideal, der Ataraxie, fort. Der Schluss und der finale Standpunkt meiner Diskussion, beläuft sich also augenscheinlich wohl darauf, dass sich eine subjektive Beantwortung , der obig aufgeworfenen Frage, dahingehend erübrigt, als das es keine Frage der Handlungen ist als vielmehr der Umstände und warum wir den Gebrauch und die Funktion der Vernunft, nämlich zum Streben nach Glück, so Kant, erst in einem unsichtbaren Zustand zum Guten aufwenden würden oder wenigstens zur Veränderung der Umwelt und warum das träge Moment des Menschen überwiegt. Dies kann und wird so nicht bleiben.

Auszug aus dem siebten Kapitel, des 2018 im BoD-Verlag erscheinenden Bandes „Expertise zur verwirtschaftenden Obrigkeit“, von H. Beisert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.